Krankengymnastik – in der Fachsprache Physiotherapie – genannt, ist weit verbreitet in Deutschland: Rund 192.000 Therapeuten sind in Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen oder selbständig in ihren eigenen Praxen tätig. Rund ein Fünftel der Bevölkerung nimmt statistisch gesehen einmal im Jahr physiotherapeutische Leistungen wahr. Der weitaus größte Teil entfällt dabei auf die Behandlung von Rückenschmerzen (21,1%), gefolgt von weiteren Problemen der Wirbelsäule, der Bandscheiben und der Schultern, sowie der Lymphgefäße. Doch viele Menschen stehen Krankengymnastik skeptisch gegenüber oder fürchten, dass sie zu für sie schmerzhaften Gymnastikübungen gezwungen werden. Ein guter Physiotherapeut wird jedoch stets gezielt auf die Bedürfnisse des Patienten eingehen und ihn auf keinen Fall überfordern.

Krankengymnastik – was macht man da?

DIE eine Krankengymnastik gibt es nicht. Je nach Beschwerden kommen verschiedene Therapiekonzepte zum Einsatz. „Echte“ Krankengymnastik ist nur ein Teil davon. Dabei wird wiederum zwischen Krankengymnastik (KG) und Krankengymnastik am Gerät (KG-Gerät) unterschieden. In beiden Varianten steht die Mobilisierung des Patienten durch sanfte Übungen im Mittelpunkt, bei denen der Patient aktiv mitarbeitet. Diese tragen zur Stärkung der Muskulatur bei, zur Steigerung der Ausdauer und zur Vergrößerung der Beweglichkeit, z.B. im Rahmen der Heilung eines Knochenbruchs oder nach einer Hüft-OP. Bei chronischen Beschwerden wie Rheuma und Arthritis trägt die Krankengymnastik zur Linderung der Schmerzen und zum Erhalt der Beweglichkeit bei.

Eine andere Form der Krankengymnastik ist die Manuelle Therapie (MT), bei der der Patient passiv bleibt. Diese Therapieform wird dann eingesetzt, wenn die Beweglichkeit bereits stark eingeschränkt ist, z.B. bei starken Verspannungen im Nacken- oder Rückenbereich. Mit gezielten Bewegungen, ähnlich wie bei einer Massage, stellt der Therapeut die Beweglichkeit der Muskeln oder Gelenke wieder her, sodass reguläre Gymnastik überhaupt erst wieder möglich ist. Weitere passive Formen der Krankengymnastik sind klassische Massagen, Reflexzonentherapien und Packungen.

Bei spezifischen Beschwerdebildern kommen auch andere Therapien zum Einsatz, z.B. die Lymphdrainage zur Behandlung von Ödemen (Schwellungen durch angestaute Gewebeflüssigkeit) oder das Bobath-Konzept zur Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Der Hausarzt oder Orthopäde wird die beste Behandlungsmethode für die Beschwerden des Patienten bestimmen und eine entsprechende Verordnung ausstellen.

Krankengymnastik – wer zahlt?

In der Regel übernehmen die gesetzliche Krankenkasse und private Krankenversicherungen die Kosten für eine Krankengymnastik, wenn sie vom Arzt verordnet wurde. Allerdings muss die verordnete Therapie im Heilmittelkatalog festgehalten sein. Dazu zählen alle klassischen Formen der Physiotherapie die allgemeine und die gerätegestützte Krankengymnastik, die manuelle Therapie, die Lymphdrainage, Bobath und Massagen. Mittlerweile werden auch Faszientechniken übernommen, bei denen die Behandlung der Faszien (Gewebestrukturen des Bindegewebes) im Mittelpunkt steht.

Wichtig: Meist ist eine Zuzahlung aus eigener Tasche erforderlich. Diese beträgt 10% der Behandlungskosten zuzüglich 10 Euro pro Verordnung. Bei der ersten Terminvereinbarung mit dem Physiotherapeuten wird die Höhe der Zuzahlung mitgeteilt.

Hat der Arzt keine Verordnung ausgestellt, kann Krankengymnastik auch ganz aus eigener Tasche bezahlt werden. Viele Menschen möchten sich ab und zu einfach eine Massage zur Entspannung gönnen oder regelmäßig an Gymnastikkursen mit Gleichgesinnten teilnehmen, um die Beweglichkeit zu fördern und gleichzeitig Kontakte zu knüpfen.

In manchen Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Präventionskurse, z.B. die sogenannte Rückenschule: Dabei lernen Patienten eine gesündere korrektere Haltung und stärken die Muskulatur, die dann wiederum die Wirbelsäule stützt und so Rückenschmerzen verhindert.

Krankengymnastik: Wie oft pro Woche?

Die Häufigkeit der Krankengymnastik hängt von den Beschwerden ab. Oft reicht schon eine einzige Sitzung pro Woche mit dem Physiotherapeuten, manchmal sind auch zwei oder drei Sitzungen erforderlich. Bei stationärer Reha nach einem schweren Unfall oder nach einer Operation wird Krankengymnastik zur Förderung der Genesung sogar täglich durchgeführt.

Bei ambulanter Krankengymnastik wird der Therapeut den Patienten anleiten, bestimmte Übungen zwischen den Praxisterminen täglich selbst zuhause durchzuführen.

Wo macht man Krankengymnastik?

Krankengymnastik wird an vielen Orten angeboten. Krankenhäuser, Kurkliniken und Reha-Einrichtungen verfügen in der Regel über eine eigene Physiotherapie-Abteilung zur Behandlung stationärer und ambulanter Patienten. Dazu bieten zahlreiche Physiotherapeuten Krankengymnastik in eigenen Praxisräumen an. Oft schließen sich mehrere Spezialisten in einem Gesundheitszentrum zusammen, um einen möglichst breiten Leistungskatalog für verschiedene Krankheitsbilder anzubieten. Für Patienten hat dies den Vorteil, dass sie stets den richtigen Ansprechpartner für ihre Schmerzen finden. Gute Krankengymnasten bilden sich außerdem regelmäßig weiter, um innovative Behandlungsmethoden wie das in Japan entwickelte Taping (eine Behandlung mit speziellen Klebebändern) anbieten zu können.

Oft wird der Hausarzt oder Orthopäde bei der Ausstellung der Verordnung einen spezialisierten Krankengymnasten für die Beschwerden des Patienten (z.B. Rückenschmerzen oder rheumatische Beschwerden) kennen. Ansonsten lohnt es sich, im eigenen Ort nach Empfehlungen zu fragen.